Schreng Schreng & La La


Die Leber gebatikt, die Schuhe ruiniert
Juli 24, 2012, 16:29
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Mental Stage

Das Motto des diesjährigen BURG HERZBERG Hippie-Festival lautete „Make love work“. Eigentlich genau unsere Devise – weswegen wir uns mit dem Versprechen auf eine horrende Gage und Freibier für die beiden Tage vom Kopfnuss Verlag zu der Schlammschlacht in der Rhön mitschleppen lassen. Der Ort des Geschehens liegt irgendwo in der Nähe von Fulda und Bad Hersfeld. Aber zunächst gilt es für mich, meinen Kater zum Bahnhof zu scheuchen und mit der Bahn nach Andernach zu cruisen, wo der zweitgrösste durstige Schriftschaffende nach Charles Bukowski, namentlich Alexander Gräbeldinger, mit seiner zauberhaften Ehefrau Jenny Maus bereits auf mich wartet, um mich mit dem Auto mitzunehmen.

Make Love WorkDer Anwalt mahnt mich, bereits am Vortag vor Ort, Sneaker und allzu lässiges Punkerschuhwerk zu Hause zu lassen, da man es wahrscheinlich in einer der Mariannengraben ähnlichen Schlammpfützen verlieren würde. Also nochmal zum Baumarkt. „Geht nicht, gibts nicht!“ – genau: „Geht nicht“ steht in diesem Falle für Gummistiefel in Grösse 42 (Gräbeldinger) – und „Gibts nicht“ für selbiges Funktionskleidungsstück in 45 (ich). Also mutig und mit Stoffschuhen drauf los… Bier kaufen wir natürlich zuvor in Mengen ein, die im Zweifel vergessen machen können, wie sehr man an seinen mitgebrachten Schuhen hing. Und eine Flasche sanften Chantré für den Lustigen Bob nehmen wir auch noch mit. Als wäre dieser Mann nicht bereits auf Gletscherwasser und Tofu eine Herausforderung…

Vor Ort dann nach kleineren Querelen, um Jennys Mini halbwegs unsumpfig zu parken, folgt eine herzliche Begrüssung durch el Presidente, den wunderbaren (Danke für Hotel Astra!) Roman und die restliche, versoffene Literatencrew nebst liebenswertem Anhang. 1000 Biere und Hippiewitze später folgt auch schon der Soundcheck – wir sind „Headliner“ im Lesezelt. Oha. Nach der wie stets unterhaltsamen Performance der Kopfnuss Crew („Tausendfüsslermensch!!!“), dürfen wir auf die Bühne. Wir fühlen uns schlecht, unsicher und unprofessionell, weil wir bereits stramm wie die Latten sind und uns nicht im Vorfeld aus den Bachblüten haben unsere Zukunft (zumindest für diesen Abend) lesen lassen. Was folgt ist unglaublich. Die „Menschen“, oder nein: Menschen (bei näherer Betrachtung waren all die Hippies dann doch weitaus besser als ihr Ruf) haben Spass an unserem Zeux, klatschen, lachen und gehen mit während der Kopfnussverlag kollektiv, betrunken und johlend vor der Bühne steht – geiler Scheiss.

Schreng Schreng und El PresidenteDer Anwalt mit dem kaputten Rücken zieht zuerst die Reißleine, aber auch ich verlasse eine Stunde später das Lesezelt auf allen Vieren, um mich in Romans Auto zurückzuziehen. Morgens dann gleich mal ein 10.30 Uhr Frühstückspils, ein bisschen Austausch mit den Mitreisenden betreiben, um herauszufinden, was man sich in der Nacht zuvor im Suff so alles geleistet hat und dann: Nochmal auf die Bühne. Diesmal ist es nach einem ausgiebigeren Frühstück die „Mental Stage“, wo sich tatsächlich einige Menschen, die an der Darbietung am Vorabend gefallen gefunden hatten, einfinden. Für diese handvoll Peace-People und geschätzte 70 Menschen aller Coleur, Alter und Gerüche reißen wir uns noch einmal am Riemen, singen, schwitzen, musizieren (sogar auf einem Bein stehend, Anm. d. Anwalts) und trinken kalte Biere im Eiltempo, um unsere Getränkemarken noch allesamt verhämmert zu bekommen, ehe es nach Hause geht. Der zweite wundervolle Auftritt innerhalb von 14 Stunden. So etwas hätten wir uns gar nicht zugetraut.

Hippiefestival, wir sagen Danke und: Bleib so wie Du bist – Wir sehen uns nächstes Jahr!

„We say CHLORFREIGEBLEICHTES – You say PAPIER!“

Schreng Schreng & La La

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