Schreng Schreng & La La


Ingo Appelt und die kleine Meerjungfrau
Januar 12, 2016, 16:33
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Freitag, 08.01.2016 – Plan B (Bielefeld)

Mit nur 35 Minuten Verspätung erreiche ich Bielefeld, aber trotz dieser wiedermal großartigen Leistung der Bahn während einer zwei Stunden langen Fahrt solch eine Verspätung rauszufahren, überwiegt die Vorfreude. Heute spielen wir nämlich mit dem Traum-Duo Dave & Mighty zusammen. Das sind immer tolle Abende, da die beiden Musiker tolle Menschen sind und zudem auch noch super Musik machen. Da darf man sich ja schon mal freuen, finde ich. Zumal die gesellschaftspolitischen Entwicklungen auf der Straße eher die Vermutung nahe legt, dass da draußen die weniger tollen Menschen in der Überzahl sind. Wir sollten wirklich ein bisschen aufpassen, dass die sogenannten „Wutbürger“ nicht zu stark werden. Der Weg zurück, dürfte sonst nämlich steinig und unangenehm werden.

Das Plan B, in dem wir heute auftreten werden, ist wahrscheinlich eine der schönsten Bars, in der wir jemals spielen durften. Tolle eingerahmte Bandplakate an der Wand, leckeres (vegetarisches) Essen aus der kleinen Küche und eine tolle Theken- bzw. Besitzer-Crew erleichtern uns den Einstieg in den Abend. Es wird gelacht, es wird getrunken und es werden alte Freunde begrüßt, was zu noch mehr Lachen und Trinken führt. Unser Auftritt ist grundsolide und macht Spaß. Jörkk verzweifelt am Kippschalter-Mikro während sein Anwalt mit zunehmender Spieldauer immer mehr mit seiner Motorik hadert. Uns ist es egal, wir haben einen super Abend, der später noch von Dave & Mighty getoppt wird, die Ihre Punkklassiker aus Lärmschutzgründen nicht im Eurodance-Kleid verpackt haben, sondern in lateinamerikanische Rhythmen. Super gut. Und während bei der Aftershow-Party gefühlt der ganze Saal tanzt, lachen und trinken wir an Theke noch das ein oder andere Kaltgetränk weg  #Echtholzstandby

Um 8 Uhr klingelt Jörkks Wecker. Wer Jörkk kennt, der weiß, dass der Gute eigentlich erstmal nicht wach wird. Daher sind seine Klingeltöne immer SEHR stressig (ich erinnere mich mit Grauen an einen Weckton, den er bei einer Cunstler-Probe aufgenommen hatte – ich hatte immer das Gefühl, ein Flugzeug startet neben dem Bett). Heute ist es das Krähen eines Hahns. In einer Lautstärke, mir bleibt fast das Herz stehen. 8 Uhr… wir haben doch noch zwei Stunden bis wir los müssen. Zum Glück schlafe ich, nachdem ich den Wecker ausgeschaltet habe, noch einmal ein.

Samstag, 09.01.2016 – Kohi (Karlsruhe)

Auf dem Weg von Bielefeld nach Karlsruhe machen wir halt in Düsseldorf. Der Versuch klar zu kommen scheitert, da wir das neue Album besprechen müssen. Hierzu gibt es dann später ein paar Zeilen. Nur so viel: Das Album heißt „Echtholzstandby“, erscheint auf Rookie Records und wird voraussichtlich Ende April veröffentlicht. Wir freuen uns schon sehr.

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Der Weg nach Karlsruhe verläuft super. Boardbistro, zwei (also vier) große Pils, in Mannheim umsteigen und schwupps holt uns unser alter Freund Fabian am Bahnhof ab. Den Rest des Abends in Worte zu fassen ist ehrlich gesagt etwas schwierig. Das Kohi, ein von der Stadt gefördertes Kulturzentrum, ist das krasse Gegenteil zur stylischen Kneipe des Vorabends, aber nicht weniger grandios und herzlich. Es gibt Kürbislasagne und Apfelkuchen zum Abendessen, leckere süddeutsche Biere und einen ziemlich guten Bühnensound (muss ja auch mal gesagt werden). Das Publikum ist perfekt. Ruhig während der Songs, kommunikativ während  der Pausen („Ey Jörkk, Du hast ja eine Frisur wie Ingo Appelt“) und gewillt, sich unseren Quatsch bis zum bitteren Ende (wir proben mal eben zwei neue Songs live auf der Bühne – früher mag man uns auch nicht von selbiger gehen lassen) anzuhören. So ein nettes Publikum belohnen wir natürlich gerne mit einem gefühlt perfekten Auftritt. Ganz ehrlich, für diese Momente liebe ich es, in einer Band zu spielen. Gegen drei Uhr geht es dann Richtung Schlafplatz, wo wir uns noch bis 5 Uhr mit Fabian festquatschen.

Um 8 Uhr klingelt Jörkks Wecker und wer Jörkk kennt, der weiß, dass der Gute eigentlich erstmal nicht wach wird. Diesmal war er nicht nur so schlau, selbigen wieder nicht auszuschalten, nein, er versteckt das Handy so tief in seinem Rucksack, dass ich trotz eines nahenden Herzinfarkt kurz davor bin, ihm mit dem nackten Hintern ins Gesicht zu springen, während ich krampfhaft mit meiner Handytaschenlampe den Reißverschluss seiner Tasche suche. 8 Uhr… wir haben noch zweieinhalb Stunden Zeit, bis der Zug zurück nach Düsseldorf fährt. Bin ich froh, dass wir nie länger als zwei Tage gemeinsam unterwegs sind.

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„Echtholzstandby“ oder Das Leben ist gut!
August 25, 2015, 15:08
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Brandtson Holzerath  Drei Konzerte und einen Job als DJ-Team innerhalb von 28 Stunden. Das kann man mal machen. Ehrlich gesagt aber auch nicht jedes Wochenende, schließlich ist heute Dienstag und wir sind beide noch immer ziemlich im Eimer.

Jörkk und ich treffen uns am Freitagabend um 17 Uhr im IC nach Koblenz. Super Plätze, kaltes Bier, das Leben ist gut. Der Zug pünktlich und auch der Anschluss in Koblenz wird easy erreicht. Er raucht, ich kaufe Nachschub-Bier, das Leben ist gut. Und auch die Taxifahrt (im mindgrünen Kleinbus) nach Holzerath verläuft Knaller. Vor Ort viele gute Menschen und sensationelle Spare-Ribs vom Grillstand. Über die leichten organisatorischen Unstimmigkeiten verliere ich hier kein Wort. An Tagen, an denen in S-Bahnen Kleinkinder von verblendeten Vollidioten volluriniert werden, habe ich eh keine Lust mich aufzuregen. Ich mag hier kein politisches Pamphlet runterschreiben (dafür war das Wochenende zu gut, und unsere Zielgruppe zu sehr in der Spur), aber ich bin tieftraurig, dass so etwas wieder passieren kann. Und ein freudiges „Refugees Welcome“ gekoppelt mit einem „Nazis raus“ hat noch niemandem geschadet. Mich kotzen diese Arschkrampen einfach nur noch an.

Zurück zur Musik. Etwas verspätet geht es also auf die Bühne, der Sound ist wieder einmal super (Danke, Winnie) und das Publikum im vorderen Bereich sehr nett. Wir haben Bock und hoffen, dass das auch rüberkommt. Danke. Danke auch für die netten Menschen, die uns nach dem Konzert umgehend in die Villa nach Trier gefahren haben. Dort war nämlich das DJ-Team Love a Schreng Schreng am Start. Dommes wie gewohnt stilsicher, der Anwalt gewohnt 1990er. Wenn selbst auf Eve 6 getanzt wird, kann man eigentlich nichts falsch machen. Mit etwas mehr Publikum wäre das sicherlich noch toller geworden.

Foto 2Samstag, aufstehen, klarkommen und auf zur Frittenbude. Heute spielen wir zum ersten Mal als Überraschungsgast auf einem Jungesellinnen-Abschied. Mike holt uns ab, um mit uns ins Saarland zu fahren. Doro, die Freundin von Mikes Frau heiratet in Kürze und rechnet stilsicher mit einem Stripper (zumindest hat man ihr das so erzählt). Schwupps Augenbinde runter und Jörkk steht vor Ihr. Angezogen. Enttäuschung macht sich breit… Die handgezählten sieben Frauen haben aber Bock auf Musik, wir eine Menge Spaß und eine knappe Stunde später sitzen wir schon wieder im Auto nach Trier mit Cremant und Bier.

Schließlich dürfen wir heute mal wieder im Miss Marples spielen. Da ist es zwar immer etwas unruhig, dafür aber IMMER ausnahmslos toll. Fassbier, Pizza, ein grandioser Bühnensound und ganz viele alte Bekannte, die solange neben einem sitzen bleiben, bis die Zapfanlage geputzt und der Kopf auf der Theke gelandet ist. „Echtholzstandby“ eben.

Foto 3Unser neues Album erscheint mit etwas Glück Ende Januar bei Rookie Records. Wir freuen uns wie verrückt. Jetzt müssen wir nur irgendwie noch acht Songs klauen. Oder schreiben. Das wird super… versprochen.

PS: Dass drei Konzerte und einmal Auflegen nicht genug sind, beweisen wir am Sonntag. Während Jörkk im Proberaum an seiner Zweitkarriere als Sänger dieser Love A arbeite, versucht der Anwalt die Spare-Ribs von den Hüften zu kriegen. 14 Kilometer joggen durch Oberbilk. Das Leben ist gut. Zumindest zu uns.

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Mit der Zahnbürste zum Pinkeln
August 5, 2015, 16:06
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Das Burg Herzberg Festival. International Hippie Convention. Freak Treffen. Oase. Auszeit für die Seele. Musik. Farben. Bier. Sonne…

… und ganz nebenbei auch noch ein Festengagement für die Trümmertruppe Schreng Schreng und La La samt Kopfnuss Verlag. Das ganze Wochenende in Worte zu fassen, fällt mir (uns) schwer. Zu viel LOVE, zu viel PEACE, aber vor allem wohl zu viel ALKOHOL, um sich an alles zu erinnern.

Ich komme eine halbe Stunde nach Beginn des Soundchecks an und bin selbstredend mega abgefuckt. Dank Verkehr, falsch eingestelltem Navi, keinem einzigen Bier für mich, da ich fahren muss und der Gewissheit, kein entspanntes „Hallöchen“ zelebrieren zu können, sondern geschwitzt, gehetzt und ohne mich ein wenig akklimatisieren zu können, auf die Bühne zu müssen.

Ich betrete das Lesezelt und sehe sofort meinen Anwalt aufbauender und soundcheckender-Weise auf der Bühne umherzappeln. Unsere Blicke treffen sich – und augenblicklich ist ALLES gut. Die „Vibes“ stimmen, wie wir Profis sagen. Die Strapazen der stressigen Anfahrt sind wie weggeblasen. Noch schnell Herrn Gräbeldinger und Frau Noormann geherzt – und schon bekomme ich selbst eine sehr herzige Begrüßung nebst eines kühlen Bieres von unserem, mittlerweile kann man das so sagen, alten Freund Julien. Nebenbei der beste Soundmann aller Zeiten – und der Schutzpatron des Lesezeltes, in dem Lasse und ich auch an diesem Freitag den Rausschmeißer – oder Headliner – ganz wie man möchte, geben werden.

Das Konzert ist super, weil die Leute super sind, wir super sind (räusper) und nicht zuletzt, weil wir umschnallbare Flügel tragen, um von unserer musikalischen Performance abzulenken. Läuft.

Den Rest des Abends schlendern wir über das Gelände, trinken 2.000 Biere und ein paar Cocktails, rauchen uns den Schiefer vom Kapellendach und lassen es uns inmitten der Hippies gut gehen. Was wirklich leicht ist, denn neben vielen, wirklich tollen DJs, die mit ihrem Krautrock und 1970er-Rock überzeugen, sind auch wieder einige, ansprechende Bands am Start. Brant Björk habe ich leider verpasst, denn der durfte schon Donnerstags rocken.

Da wir in diesem Jahr bereits Freitag das Lesezelt abreißen durften, kommen wir zu dem Genuss einen ganzen Tag ohne Konzert genießen zu können. Das heißt? Genau, morgens um 11 Uhr das erste Bier, kein Anwalt, der maßregelt, man müsse doch Abends noch ordentlich abliefern. Der Anwalt himself wartet derweil auf New Model Army und kommt nach deren Auftritt etwas abgefuckt zum Zeltplatz zurück. Abgeliefert haben die offensichtlich nicht.

Nach einer zweiten viel zu kurzen Nacht machen wir uns los zur Mental Stage. Unserer zweiten kleinen Heimat auf diesem fantastischen Festival. Stage-Time: 11:15 Uhr, was bedeutet, dass das erste Bier wieder zum Frühstück dazu gehört. Bemerkenswerte Randnotiz… Es soll tatsächlich Menschen geben, die sich morgens mit der Zahnbürste im Mund an diese neumodischen Piss-Rondelle stellen, um sich beim Pinkeln die Zähne zu putzen. Soviel Körperbeherrschung hat der Anwalt am frühen morgen noch nicht und ist auch ohne Zahnbürste im Mund kurz davor seinen Mageninhalt ins Rondell zu brechen.

Das Konzert auf der Mental-Stage ist mehr als lustig, auch wenn die Sonne blendet und wir beide uns auf der Bühne kaputt schwitzen. Kurz danach geht es schon nach Hause, schließlich wartet der 9 to 5 Job schon auf uns.

Der Berg war wieder ganz schön toll zu uns und wir haben schon den Termin für das kommende Jahr eingetragen. 28. – 31. Juli 2016… Noch 358 Tage!

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Endlich wieder Klassenfahrt…
Dezember 2, 2014, 20:09
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kk_copy_lpaDank der netten Einladung von Cornelius auf seiner 3 Jahre „We Want The Airwaves“-Punkrock-Party aufzutreten zu dürfen, machen wir uns frisch motiviert und bis in die Haarspitzen ambitioniert auf den Weg nach Mainz. Bei unserem Gastspiel im vergangenen Jahr konnten wir die anwesenden 6 Zuschauer ziemlich überzeugen, dementsprechend groß ist unsere Vorfreude, als wir in den IC steigen. Die ersten zwei Bier und eine Packung Erdnüsse später, stehen wir im Cavaeu und dürfen unser erstes gemeinsames Video-Interview geben. Jörkk gewohnt schlagfertig, ich gewohnt dämlich und uninspiriert. Am Ende gibt es 15 Minuten echte Gefühle, die tief in die Seele unserer Band blicken lassen.

Unser Konzert läuft so mittelmäßig. Publikum hat sich grob verzehnfacht, der Sound ist wieder gut und Schreng Schreng & La La heiß. Zumindest bis der dritte Witz nicht zündet und das zweite Lied verbockt wird. Ich weiß auch nicht, was da mit uns los war. Aber ich musste mir in meiner fast 20-jährigen „Musikkarriere“ wirklich extrem selten selbst den Takt mit dem Fuß vorgeben, nur um einen Song wie „Oberbilk“ halbwegs rund klingen zu lassen. Junge, Junge.

Am Ende des Abends gibt es dann noch mein Highlight des Tages. Dave & Mighty mit ihrer Kirmes-Elektro-Bad-Religion-Coverband. Mensch, ich hab ja heute noch ein Strahlen im Gesicht. Endlich mal eine Band, mit der man sich gepflegt über Roxette, die Pet Shop Boys und Erasure unterhalten kann, ohne dabei rot zu werden. Toller Abschluss, eines sehr schönen Abends.


Ich wache um 8 Uhr auf… Ohrenbetäubender Lärm scheppert aus dem Flur in Cornelius Wohnung. Uff denke ich… Jörkk hat es also doch nach Hause geschafft. Doppel-Uff, der Idiot hat wieder vergessen seinen Wecker auszustellen. Als iPhone verstörter Anwalt brauche ich geschlagene zehn Minuten um den Aus-Knopf des Weckers zu finden. So ein Mist. Ich wollte doch ausschlafen. Am Frühstückstisch vertrödel ich dann auch noch meine lose Verabredung zum U 17-Fußballspiel des FSV Mainz gegen den 1. FC Saarbrücken. So ein Mist. Gegen 16 Uhr machen wir uns schließlich auf… in die wunderschöne Metropole Mannheim.

Die empfängt uns kalt, dreckig und etwas schmucklos. Das soll es dann aber auch schon gewesen sein mit der Kritik an dieser Stadt. Jörkk und ich haben ja immer wieder großes Glück mit Veranstaltungsorten, Gastgebern und Menschen im Publikum. Dass jedoch alle drei Komponenten so super sind, wie bei unserem Konzert im „Zum Teufel“ in Mannheim kommt selten vor. Heute ist so ein Tag. Es gibt Bier für den Anwalt, Whiskey für den Jörkk, ein mucksmäuschenstilles Publikum, eine wirklich gutaufgelegte Band (die sogar „Glimmen“ spielt) und am Ende sowohl einen vollen Hut als auch eine Jutetasche voll mit Bier für den Weg nach Hause. Hallo? Wie toll ist das denn alles? Bei unseren äußerst freundlichen Gastgebern gibt es Käsebrezeln, sinnfreie Gespräche und die Einladung wieder kommen zu dürfen. Ist gebongt. Mannheim, Du geiles Pferd.

PS: Und ein neues Live-Video haben wir auch hochgeladen.

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Wir sind gegen Krefeld
August 4, 2014, 15:00
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Es kommt ja wirklich nicht oft vor, dass Jörkk und ich sprachlos sind. Aber die fünf Minuten nach unserem Konzert auf der Mental-Stage des Burg Herzberg-Festivals waren ein solcher Moment. Ein so tolles, aufmerksames und kommunikatives Publikum hatten wir selten. Ganz ehrlich, das sind die Glücksmomente, weswegen ich/wir Musik mache(n). Das sind die Momente, die einen vergessen lassen, wie schlecht die Welt da draußen eigentlich zur Zeit ist. Und ich bin sehr dankbar, dass es uns so gut geht und wir diese Momente immer wieder erleben dürfen.

Begonnen hat unser Burg Herzberg-Wochenende am Samstag in unserem Kleinwagen. Die erste Probe seit Ende Mai. 40 Grad im Auto, Free-Jazz von der Bühne, hinter der wir geparkt haben und eine durchzechte Nacht lassen diese Probe eher suboptimal verlaufen. Aber hey, wir sind Vollprofis im Amateur sein und freuen uns einfach über die entspannte Atmosphäre auf diesem Festival. Das Wetter hält (bis auf einen Regenschauer in der Nacht) und unser Label hat bei seiner Anreise am Samstag sogar ein paar kalte Bier mitgebracht. Das Leben ist gut.

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Das Konzert im Lesezelt beginnt nach den Lesungen von Nora Noormann und Jan Off. Ich fand beide gut. Überhaupt sind die beiden meine Lieblingsautoren – lyrisch wie menschlich. Mittlerweile haben wir Mitternacht, das Lesezelt ist gut gefüllt. Die ersten beiden Reihen bleiben leer, hinten stehen sie aber in den Gängen. Man will schnell wieder weg, bleibt aber trotzdem. Wir verbuchen das als Erfolg und wir freuen uns sogar über das ein oder andere bekannte Gesicht von unserem Wohnzimmerkonzert in Fulda im vergangen Jahr.

Die Crew des Lesezelts ist wie schon im vergangenen Jahr sehr um unser Wohl besorgt und zaubert uns auch in diesem Jahr das ein oder andere Lächeln ins Gesicht. Jungs, Ihr seid spitze. Hoffentlich dürfen wir 2015 wieder zu Euch ins Lesezelt kommen.

Nach einer viel zu kurzen Nacht und einigen Heiß- und Kaltgetränken sammelt sich die Reisegruppe um 13:00 Uhr vor der Mental-Stage, einer kleinen Open Air-Bühne, die musikalisch über das gesamte Festival für ein Kontrast-Programm für die Umbaupausen der beiden Hauptbühnen sorgt. Und während wir mit „Zahnbürste“ und „Dein Platz an diesem Tisch ist darunter“ beginnen sammeln sich immer mehr Menschen vor der Bühne, geben uns Bier aus, schreiben uns Briefe und wollen ebenso gerne einen Song über den Sommer („Summer“) wie über einen toten norwegischen Songwriter („The Cool Song“) hören. Wir erfüllen diesen Wunsch und spielen halt beide Songs und so ziemlich alle anderen, die wir im Repertoire haben. Es ist ein „perfekter Tag“, wie uns das Motto vom Herzberg ja im Vorfeld angedroht hatte.

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Nach dem Konzert verlieren wir unser Glockenspiel-Mädchen an eine kolumbianische Ska-Punk-Band, während wir uns Station 17 anschauen. Eine Band in der Frau Potz-Basser Hauke momentan spielt, und die aus Musikern verschiedener Indie-Bands (Schrottgrenze, The Robocop Kraus u.a.) und Menschen mit unterschiedlichen Handicaps besteht. Unglaublich gut. Es ist einer dieser Momente, in denen man als erwachsener Mensch mit Schmetterling-Flügeln umgeschnallt Konfetti in die Luft wirft und das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommt. Was für ein unfassbar grandioser Abschluss, eines ganz tollen Wochenendes.

Danke!

Schreng Schreng & La La

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TT of no return (Teil 1 von 1)
Juni 24, 2014, 18:13
Filed under: Tourtagebuch

Foto1Nach einem arbeitsreichen Tag in einer sehr kurzen Woche, stolpert der Erzähler einmal mehr um kurz vor knapp in Richtung Bahnhof. Tasche gepackt für vier Tage Reise Reise Reise mit dem Anwalt und viel, zu erwartendem Bier und vielem, weitaus Schlimmerem in Aussicht. Der Anwalt harrt meiner Ankunft in Düsseldorf erwartungsgemäß entspannt, da es zum Ort des heutigen Openings unserer „Koffer zu, Affe tot“-Tour 2014 nur einen Steinwurf weit entfernt ist (nur 100 Km; Anm. d. Anwalts).

Ich selbst bin zwar trotz langem herumstümpern als aktiver Handballer nicht in der Lage, einen Stein von Düsseldorf nach Nettersheim zu werfen, aber KARLSSON sind es – bzw. deren Sänger Kilian, der uns an diesem Abend mit dem Auto einsammelt. Im „Freistaat Eifel“ angekommen, wird zunächst einmal der historische Ortskern ein wenig mit der Stoßstange bearbeitet, während ich mich im Inneren der zu bespielenden Örtlichkeit schon einmal mit ein paar Einheimischen beschäftige, die sich partout nicht von der in weiten Teilen herrschenden Mangelhaftigkeit deutschen Rotweines überzeugen lassen wollen. Man versucht, dürftige Argumente durch relativ volle Gläser zu entkräften – und ist damit bei mir natürlich genau an der richtigen Adresse.

Ich nicke zwar alters Milde, trinke meine Gläser aber im weiteren Verlauf der Diskussion voller jugendlichen Leichtsinns aus. Der Abend rollt an – Rotwein Rotwein Rotwein… Bis ein „STOP!“ des Wirtes, der Gewinn- und Verlustrechnung zu Liebe uns, bzw. mich, zu einem Strategiewechsel zwingt. Wir kontern also mit Plan B: Stubbi Stubbi Stubbi – und einem gruseligen Verdauungsschnaps, den es dann doch noch obendrein gibt, obwohl uns nichts zu Essen gereicht wird. Wäre unser Ex-Dingo, Love-Toy und Band-DJ Broda an diesem Abend nicht vor Ort gewesen, ich hätte diesen Abend getrost unter „geht so“ weg sortiert. Publikum war wirklich ok – viele liebe Freunde, alte Bekannte und Menschen, die man selten auf Konzerten antrifft, die es aber dennoch auf sich genommen hatten, vorbei zu schauen.

Richtig rund (Hallöchen!) wurde die Sache dann aber natürlich erst beim Aftershow-Gelage im Hause unserer lieben Freundin Dani (weltbeste Cherry Tomaten!). Ich schaffe es nicht, als Tagesvollster abzuschließen und bin dafür begeistert, wie so viel Sangestalent seitens unserer Mitstreiter KARLSSON dann doch auch noch auf so derart viel Talent an der Flasche trifft. Irgendwann mache ich mich dann aber doch auf allen Vieren auf, in das für mich frisch bezogene Bett und überlasse meinem Anwalt guten Gewissens das Zubereiten der Longdrinks und die Aufsicht über den verbliebenen Käfig voller Helden.

 

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Von Fußball und Fußpilz
Mai 12, 2014, 15:27
Filed under: Tourtagebuch


 

 

 

 

 

 

Unser Tourtagebuch… das haben wir wohl vergessen. Zumindest haben wir schon sehr lange über kein Konzert mehr geschrieben. Kurz vor unserer „Koffer zu – Affe tot…“-Tour 2014 wollen wir das natürlich ändern und ein paar wahnsinnig lustige Zeile auf Papier bringen.

23.04.2014: Düsseldorf – FFT (mit Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen)
Scheiß-Termin, tolle Band. Damit meine ich natürlich nicht uns, sondern unsere pfeifenden Kieler Kollegen, die nicht nur äußerst nett, sondern auch super gut waren und lustig und gut angezogen und ganz nebenbei auch voll gut mit Technik umgehen können (Stichwort: Drumcomputer). Seit diesem Konzert versuche ich Jörkk dazu zu kriegen eine Carter USM Coverband mit mir zu gründen. Aber er ziert sich noch ein bisschen. Das Publikum im FFT war toll. Ganz viel Szene und so. Schade ist jedoch, dass ein Fußball-Spiel (Stichwort: Ich würde nie zum FC Bayern München gehen) dafür sorgt, dass solch ein Konzert vor 45 Zuschauern stattfindet. Okay, Jörkk und ich sind das gewöhnt, aber die Jungs aus dem Norden hätten in der Tat mehr verdient. Trotz allem waren am Ende alle Beteiligten zufrieden. Und wenn wir dann in zehn Jahren von der Bühne des ISS Dom aus fragen, wer denn damals bei diesem fantastischen Abend im FFT dabei war, gehen mindesten 600 Hände hoch. Und alle so Yeah!

09.05.2014: Bonn – Bla (mit Herr Berlin)
Scheiß Termin, tolle Band. Damit meine ich natürlich nicht uns, sondern Herr Berlin, die mir auf Platte zwar nicht so richtig dolle gefallen, live aber sehr sehr gut sind. Wir kommen (wie immer) 15 Minuten vor Stagetime in Bonn an, machen einen einminütigen Soundcheck und legen los wie die Feuerwehr. Ach ne, erst mal einen Klaren von der äußerst sympathischen Thekenbesetzung. Führt natürlich dazu, dass ich direkt mal die Übergänge bei „Zahnbürste“ verbasel (Stichwort: Mario Basler, hat ja auch mal bei Bayern München gespielt). Aber danach haben wir uns eingegroovt und es wird (zumindest für mich) eins der besten Konzerte der vergangenen Monate. Und das Publikum? Das war fantastisch. Zumindest die 21 anwesenden. Wenn die Zuschauerstatistik bei uns weiterhin so rapide nach unten zeigt, können wir auch wieder nach Leipzig fahren. Da waren es 2009 drei Zuschauer.

31.05.2014: Hamburg
Scheiß Termin, tolle Band. Damit meine ich im Übrigen uns, die immer noch auf der Suche nach einer Konzertlocation in der schönen Hansestadt sind. Jetzt mal im Ernst… so scheiße sind wir doch wirklich nicht, dass wir keinen Platz für ein kleines bisschen Kleinkunst verdient haben?! Wir kosten nur ein paar Bier und sind im Zweifel nach dem Konzert sofort wieder weg. Also… teilen und helfen. DANKE!

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