Schreng Schreng & La La


Is hoid a stodl
September 11, 2013, 15:42
Filed under: Tourtagebuch

Wenn uns, genauso wie bei Prinz Ernst August von Hannover, jemand anruft und fragt, ob wir einen saufen kommen, dann machen wir das.

In diesem Falle griff der mächtige Gleisse, seines Zeichens Merch-Meister und Suffkavallerist unserer lieben Freunde von Scorefor, zum Telefon, um mit Lasse, Heike und mir in der Nähe von Bad Tölz den 30. Jahrestag seines trinkfesten Daseins als Punkrocker zu feiern. Mit einer gesunden Mischung aus Furcht, Vorfreude und Restalkohol vom Vortag mache ich mich am Samstag Morgen zum Wuppertaler HBF auf, um anschließend gefühlte 100 Jahre im ICE Dieter Degowski mit allerlei jungem, erfolgreichem Abschaum aus Berlin und sonstigen Bekloppten unterschiedlicher Herkunft eingesperrt zu sein. Lasse und Heike hatten die deutlich glamourösere Vor- und Anreisegeschichte, kamen die Beiden doch mit leuchtenden Augen und entspannten Gemütern direkt aus Florenz, nach einem Trip durch die malerische Toskana. Fairerweise muss man erwähnen, dass sie schon Freitags angereist waren und bereits eine harte Nacht mit den Pop- und Durstpunks unserer Herzen auf dem Deckel hatten… So derangiert klang Lasse wirklich noch nie, bei seinem üblichen Weckanruf bei mir. „Ich rufe jetzt auch nicht noch mal an, um sicher zu gehen, dass Du nicht wieder einpennst. Steh bitte auf. Es gab Enzian gestern.“

BildVor Ort angekommen begrüßt uns zunächst unsere liebreizende Gastgeberin Vroni mit Tochter Anna, die mich trotz waldschratesker Gesichtsbehaarung allem Anschein nach sofort ins Herz schließt. Vielleicht musste das Kind bei meinem Anblick auch einfach lachen – Man weiß es nicht genau, aber verdenken könnte man es diesem kleinen Zuckerwesen sowieso nicht. Der Destination Point liegt dann gefühlt irgendwo zwischen da, wo man sich beim Alpenglüh´n dann wiedersieht und dort, wo der Fuchs „Don´t stop believing“ singt und der Hase sich beim gute Nacht sagen nochmal was von Elton John (aber unbedingt aus dem letzten Drittel der 80er!) wünscht und doch meine ich es ernst, wenn ich sage: Das war ein exorbitant rauschendes und allerlei andere Geräusche hervorbringendes Fest mit so vielen Lieben, mit so vielem Wundervollen (meint nicht die fehlende Beleuchtung der sanitären Anlagen), bis hin zu derart gutem Essen und dermaßen guten Coverversionen von überwiegend grätenschlechten Bands, wobei Elton John, die Gallagher Brüder und die Bands mit dem kleinen Affen auf dem Leierkasten hierbei immer die Ausnahme bilden, Herr Kropius. Alles richtig gemacht.

BildUnd mehr noch: Florian Kropius – mehrstündiger Szenenapplaus an dieser Stelle! Kompetent, Charismatisch, Napalm Death T-Shirt. Solche Männer sind immer schwul oder verheiratet – sagt meine Schwester. Wie der Rest von Scorefor auch, nein, nicht verheiratet – sondern mit so viel Charme equipped, dass sie vom anwesenden, adjektivischen Publikum so lautstark und physisch entzückt belohnt wurden, wie es zuvor wohl nur diesem Moses widerfuhr, als er die 10 Gebote inklusive dem alten Klassiker „Du sollst nicht mehr als eine noch als vernünftig zu bezeichnende, dreistellige Zahl an Cuba Libres trinken, nur, weil sie kostenlos sind.“ vom Gipfel der Zugspitze mitbrachte. Da war was los! Aber im Ernst. Eine Band, die es schafft, dass gestandene Männer mit Tränen in sämtlichen Knopflöchern in feinstem Falsett „Naaaaa! nananananaaa! Nananananaaa! Nananananaaaaa!“ singen, die braucht sich nicht hinter anderen Größen der Republik, sagen wir z.B. den Ostrock Titanen von KARAT, zu verstecken. Wir wissen eben einfach, welche Support-Hauptacts wir uns an Land ziehen müssen!

Kommentare deaktiviert für Is hoid a stodl