Schreng Schreng & La La


Putin vs. Berlusconi
Februar 26, 2013, 06:15
Filed under: Tourtagebuch

Live_Bla

Alles beginnt wie immer: Um 13.15 fährt der Zug, den mein Anwalt für mich auserkoren hat in Trier ab, um mich nach Bonn zu bringen. Um 13.35 Uhr werde ich in Klamotten neben meiner Couch wach. Der beste Nachbar, den man sich für Rotwein kaufen kann, fährt mich hähmisch grinsend zum Bahnhof und ich schaffe es immerhin, den zweiten vom Anwalt anvisierten Zug zu erwischen. Regionalbahn, bimmel bimmel. Fünfzig Minuten Aufenthalt in Koblenz, grummel grummel. Ich kaufe Bier. Aus Trotz.

In Bonn angekommen, erwartet mich mein Anwalt bereits am Bahnhof. Es schneit, mir tut der Arsch vom sitzen weh und Menschen sind dumm. Mein Anwalt zieht zwei eiskalte, grüne Flaschen aus der Jacke. Kompetenz macht sexy – und ich küsse ihn lediglich aus dem Grund nicht, daß meine Lippen an seiner Backe festfrieren könnten und diese Umstand die weitere Aufnahme von alkoholischen Getränken im weiteren Verlauf des Abends extrem erschweren könnten.
Bei unserer Freundin Anna angekommen, verziehen wir uns in die Küche, um die Stimme in Form zu rauchen und ein paar neue (geklaute) Songs zu proben, die es an diesem Abend allerdings leider nicht vorgetragen werden können, da aus Moskau stammende Menschen der Grund dafür sein werden, daß unsere Stagetime sich an diesem Abend von 40 auf 20 Minuten verkürzt. Erst Pussy Riot, dann Schreng Schreng & La La. Warum können Putins Schergen sich nicht mal um die SCORPIONS oder um Herbert Grönemeyer kümmern? Ein Scheiß.

Im Bla angekommen, geht es Standesgemäß zum Pommes fatzen in die beste Burger-Bude der Stadt und anschließend sofort an die Theke, wo Fett, Phosphat und Schlimmeres mit Ouzo bekämpft werden wollen. Es sind so viele liebe Menschen am Start, daß man sich klonen und zerreißen müsste, um allen Gerecht zu werden und mit jedem ein Bier zu trinken. Business as usual. Das Konzert ist, solange es dauert, ein voller Erfolg und es macht einen riesigen Spaß, vor 20-30 lauthals mitsingenden Menschen unter den Scheinwerfern des Bla den einen oder anderen Liter Wasser zu verlieren. „Im Bla funktioniert das meines Wissens nach immer, wenn man von der Bühne aus Schnaps bestellt!“ – „Vodka?“ – „Danke!“ – Ein ganz wunderbarer Laden mit ganz tollen Betreibern und Mitarbeitern. Wie immer eine Klasse für sich, auch wenn der gekachelte Backstagebereich ausbaufähig ist.

Beim ausfüllen der GEMA Liste (Wir haben eine GEMA Liste ausgefüllt? Anm. d. Anw.) ist dann bereits soviel kaltes Bier den Bach hinunter gegangen, daß Felix (FRAU POTZ) mir bei meinem vorletzten Song-Eintrag (Nummer sechs) das Wort „Bourgeoisie“ buchstabieren muß, obwohl wir den gar nicht gespielt haben an diesem Abend. Von unseren restlichen Stücken will mir zu diesem Zeitpunkt aber bereits keines mehr Einfallen, also schreibe ich als siebtes das Wort „Taxi“ auf den Bogen der edlen Beschützer der Rechte aller Künstler dieses Landes und hoffe, daß Marius Müller Westernhagen nicht bereits einen Song dieses Namens im Repertoire hat und noch reicher wird. Ich wäre untröstlich. Nach weiteren Ouzos mit Valeska, Felix, Herrn Gräbeldinger, Jennymaus und meinem Anwalt „little Sunshine“ muß man mich davon abhalten, Fremde Menschen auf die Backe zu küssen, auch wenn im Bla zu dieser Uhrzeit keine Frostgefahr mehr lauert…

Besser heim gehen und dem Anwalt dabei zuschauen, wie er unter dem gellenden Lachen unserer liebreizenden Xylophonistin mitten in seiner Tiefschlafphase (ermittelt durch den Wimpernreflextest) eine halbe Pizza mit kochend heissen Cherrytomaten aspiriert – ohne sich zu verbrennen. Ein Tausendsassa. Wenn ich groß bin, werde ich auch Anwalt. Bonn, Du geile Amsel! Wir freuen uns schon auf das nächste mal.

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