Schreng Schreng & La La


Von Zimtschnaps, Zombies & Zigaretten
Dezember 12, 2011, 15:11
Filed under: Tourtagebuch

Immer wenn die Bad Tölzer Rockband Scorefor (samt Crew) auf das kongenialen Super-Duo Schreng Schreng & La La trifft, ist eins gewiss: Es wird feucht-fröhlich, es wird spät und es wird am nächsten Tag wehtun.

Den vergangenen Samstag jetzt abzufeiern ist irgendwie blöd, schließlich habe ich im letzten Blogeintrag so ziemlich alles in Frage gestellt, was man so in Frage stellen kann. Aber wie soll man nicht euphorisch werden, wenn beim Öffnen der Tür eine 30 Meter lange Schlange vor der Location steht? Und wie soll man nicht euphorisch werden, wenn vom Soundmann, über A Hurricane´s Revenge und Scorefor bis hin zur kompletten Belegschaft der Discothek Lenz, alle so super toll waren? Dazu kommt, dass Jörkk und ich uns bei ein paar Zigaretten darauf geeinigt haben, uns erst dann aufzulösen, wenn wir die 100 verkauften CDs geschafft haben. Stand heute 89.

Nach einem grandiosen Set von AHR, durften wir gegen 22 Uhr auf die Bühne. Im Publikum viele liebe Freunde aus der Eifel und Düsseldorf, unser Label (Disentertainment) aus Bonn und der verrückte Steve aus Luxemburg. Im hinteren Teil sammelten sich noch ein paar junge FC-Fans, die sich über den 4:0-Sieg der Kölner so doll gefreut haben, dass sie ganz vergessen hatten, Ihr Hirn wieder einzuschalten. Die immer lauter werdenden Buhrufe waren trotzdem sehr lustig. Das nächste mal versuchen wir noch einen Song von Brings mit einzubauen.

Dass Scorefor auch nach längerer Eifel-Abstinenz das Lenz ausverkaufen würden, hätte ich mir nicht erträumen lassen. Ich wäre schon mit der Hälfte der verkauften Karten zufrieden gewesen. Tja, die Eifel ist eben nicht Wuppertal. Die Jungs aus Bad Tölz sind nach mehr als zehn Jahren auf den Bühnen dieser Welt einfach unglaublich tight und souverän. Und eine Coverversion des 1990er-Jahre Hits „Zombie“ von The Cranberries so stilsicher und toll aus dem Ärmel zu schütteln, muss ja auch erst mal bringen.

Während die Bayern noch ein zwei alte Hits rausfeuern trinken wir uns in eine ziemlich ausgelassene Stimmung. Eine ganz andere Nummer ist der aus Luxemburg mitgebrachte Zimtschnaps (mit Blattgold), der die Eskalations-Stufe um mindestens drei Punkte erhöht. Der Rest des Abends verschwimmt im Nebel und endet um 9 Uhr morgens in meinem Bett – ohne Brille, mit blutigen Knien und einem Umweg über das Schleidener Krankenhaus, wo der andere Teil von Schreng Schreng & La La die Nacht verbringen musste… Irgendwie bin ich dann doch froh, dass ich nicht jedes Wochenende mit Jörkk auf die Bühne muss.

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Jetzt kommt der Typ, den keiner kennt…
Dezember 3, 2011, 12:31
Filed under: Tourtagebuch

…oder „Wir kommen, um uns zu beschweren!“

Ich mag das nicht… alleine auf der Bühne stehen. Irgendwie fehlt mir der Gegenpart. In unserem Fall hat der jedoch andere Pläne. CD und 7inch müssen trotzdem promotet werden. Also versucht man mit sinnlosen (Internet-)Radio-Auftritten oder Kurzauftritten bei Konzerten die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Klappt nicht. Muss an mir liegen.

In Wuppertal schaffen es gerade mal 30 Zuschauer zu Luke Leighfield (der immerhin die Woche vorher noch durch China und Russland tourte) und Hello Piedpiper, der ja nun mal zu den besten Songwritern dieses Landes gehört. Schade. Und so hielt sich auch das Interesse an Stargazer und unserer 7inch schwer in Grenzen.

Stellt sich also die Frage: „Wozu das Ganze?“ Um die eigene Profilneurose zu befriedigen? Nein, ganz bestimmt nicht. Dafür reichen solche Konzerte einfach nicht. Vielleicht um sich als richtiger Künstler im Kulturbetrieb zu fühlen (im Übrigen, was immer vergessen wird… ja, auch wir sind Teil einer SubKULTUR)? Kann sein, war aber nie der primäre Antrieb. Um Geld damit zu verdienen? Hihi… Oder um ein gutes Gefühl und Spaß an der Sache zu haben? Ja, genau aus diesem Grund macht man Musik, bzw. sollte man Musik machen – Spaß und Idealismus und der Wille das Publikum (auf positive Art und Weise) zu Unterhalten!

Die Frage ist aber… Macht es noch Spaß? Die zwei Minuten mit Hello Piedpiper auf der Bühne und die netten Worte aus dem Publikum nach dem Konzert machen es irgendwie erträglich. Aber Spaß? Nein, Spaß macht das alles manchmal wirklich nicht. Dafür ist das Desinteresse von den verschiedensten Seiten einfach zu groß.

Dazu kommt, dass mir jedes Mal die Veranstalter leid tun (Jörkk und ich sind ja selbst Veranstalter und wissen wie der Hase läuft), die sich den Arsch aufreißen und am Ende vor der traurigen Entscheidung stehen, den Musikern irgendwas zwischen 10 und 70 Euro auszuzahlen, oder selbst einmal kostendeckend zu arbeiten. Das etwas zerknirschte Gesicht und die Zweifel der Veranstalter kann ich nur zu gut nachvollziehen. Denn auch für sie stellt sich die Sinnfrage. Mit der selben Argumentation.

Vielleicht sind da draußen einfach zu viele Singer/ Songwriter und zu viele Bars, die solche (auch schlechte) Musiker buchen. Das zumindest würde erklären, warum so wenig Publikum zu den Shows kommt. Vielleicht sind aber auch fünf bis sieben Euro Eintritt für (inter)nationale Künstler zu viel. Die Argumentation lasse ich aber einfach nicht gelten. Schließlich gibt es genügend Menschen, die mal locker 85 Euro für eine abgehalfterte Rockband bezahlen, die dann auch noch T-Shirts für 40 Euro verkauft (inkl. EC-Karten-Lesegerät am Merchstand). In Düsseldorf bekommt man in der Altstadt im Übrigen für 4,80 Euro eine 0,5er Flasche Grolsch. Nur mal als Vergleich, was Subkultur heute Wert ist.

Kommende Woche spielen wir in der Eifel. Zusammen mit Scorefor und A Hurricane´s Revenge. Die Facebookgruppe hat momentan 56 Zusagen…

Liebe Grüße vom Schreng Schreng

PS: Die Überschrift ist im Übrigen ein Zitat eines Zuschauers. In einem ruhigen Raum mit gerade mal 20 Zuschauern könnte man sich so einen Satz ja mal knicken… zumindest, wenn der Typ, den keiner kennt, bereits auf der Bühne steht und seine Gitarre stimmt.

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